Katja, herzlich willkommen im Team!
Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, Physiotherapeutin zu werden – und wie bist du zu deinem Spezialgebiet, der Beckenbodentherapie, gekommen?
Danke, ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Euch allen!
Ich komme zwar ursprünglich aus dem kaufmännischen Sektor, hatte aber immer das Bedürfnis, mich im medizinisch-therapeutischen Bereich weiterzuentwickeln. So hat sich dann bei einer Laufbahnberatung die Physiotherapie herauskristallisiert. In die Beckenbodentherapie bin ich effektiv durch meine erste Schwangerschaft «reingerutscht». Ich habe entdeckt, dass das «mein Ding» ist, so quasi meine Berufung.
Der Beckenboden ist für viele ein eher «unsichtbares» Thema. Wie erklärst du deinen Patient:innen, warum dieser Muskel so entscheidend für unser Wohlbefinden ist?
Aktuell bin ich weniger im präventiven als in dem Bereich tätig, wo die Leute mit einer Verordnung für Physiotherapie zu mir kommen. Die Diagnosen sind dabei sehr unterschiedlich, wie z.B. Schmerzen im Becken/Beckenboden, Inkontinenz oder eine OP, die bevorsteht.
Somit ist meistens die Voraussetzung für das Verständnis gegeben, dass diese Struktur eigentlich einen grossen Beitrag zu unserem Wohlbefinden leistet, dies aber aus irgendeinem Grund bei meinen Patienten:innen grad nicht der Fall ist oder beeinträchtigt werden könnte.
Viele Menschen sprechen ungern über Probleme in diesem Bereich. Wie schaffst du es, dass deine Patient:innen Vertrauen fassen und offen über ihre Beschwerden sprechen können?
Es braucht gute Rahmenbedingungen, d.h. Vertrauen, Sicherheit, Wissen und Einfühlungsvermögen/Empathie.
Ich versuche immer, die Patienten:innen dort abzuholen, wo sie Unterstützung brauchen. Das beginnt bei einem ersten Kennenlerngespräch (Anamnese). Die Patienen:innen müssen die Chance haben, auch mich «kennen zu lernen», damit sie Vertrauen fassen können. Nur so kann das weitere Vorgehen gemeinsam besprochen und durchgeführt werden. Es muss für beide stimmig sein, d.h. ich gehe den Weg mit Ihnen und in Ihrem Tempo.
Du arbeitest sowohl mit Frauen als auch mit Männern – etwa vor und nach einer Prostatektomie. Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung und im Umgang mit dem Thema Beckenboden?
Ja, ganz klar – aber es ist meine Herausforderung, jeden behutsam an dieses Thema heranzuführen.
In deiner Arbeit verknüpfst du körperliche und emotionale Aspekte. Welche Rolle spielt dabei das Thema Sexualität – und wie gehst du therapeutisch damit um?
Ich arbeite nun schon lange in diesem Bereich und ich kann nur sagen, dass die Sexualität zum Beckenboden gehört, wie das «Amen» in die Kirche. Und ich glaube, dass wenn ich als Therapeutin selbstverständlich mit diesem Thema umgehe, sich auch die Patienten:innen dann wohl dabei fühlen. Oft schwingen auch emotionale/seelische Komponenten im Beckenboden mit – diese aufzuschlüsseln und anzugehen gehört zu meiner Tätigkeit.
Du hast ein breites Repertoire an Methoden: von der Lymphdrainage über Dorntherapie bis zur Stosswellentherapie. Wie kombinierst du diese unterschiedlichen Ansätze im Alltag?
Obwohl die Beckenbodentherapie mein «Steckenpferd» ist, bin ich vielseitig interessiert und bilde mich immer gerne weiter; so z.B. die manuelle Lymphdrainage, Dorntherapie, Schwindeltherapie, Stosswelle oder auch die Kiefertherapie. Letzteres, weil der Mundboden auch mit dem Beckenboden zusammenhängt, spannend nicht?
Viele deiner Patient:innen kommen mit Rückenschmerzen. Was hat der Beckenboden eigentlich mit dem Rücken zu tun?
Rückenschmerzen ist wohl eine Volkskrankheit. Aber nicht alle mit Rückenschmerzen haben auch ein Thema mit dem Beckenboden oder umgekehrt. Da wir aber von Kopf bis Fuss «vernetzt» sind, ist auch die Rückenmuskulatur mit dem Beckenboden über die Faszien verbunden. So beeinflusst auch die Körperhaltung meinen Beckenboden.
Du begleitest Frauen in sehr unterschiedlichen Lebensphasen – unter anderem von der Schwangerschaft bis zur Rückbildung. Was fasziniert dich besonders an dieser Arbeit?
Da ich selbst sowohl in der Schwangerschaft als auch bei/nach der Geburt die einen oder anderen Beschwerden hatte, ist es mir ein grosses Anliegen, diesen Frauen in dieser Zeit zu helfen und sie zu unterstützen/begleiten.
Dein Motto lautet: «Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst etwas zu tun, ist wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten.» Wie motivierst du deine Patient:innen, aktiv an ihrer Genesung mitzuarbeiten?
Ich glaube die beste Motivation ist immer, wenn Patienten:innen merken, dass die Therapie, respektive die Heimübungen Früchte tragen. Oft ist der Leidensdruck – grad in der Beckenbodentherapie – zu Beginn der Therapie sehr gross und dementsprechend dankbar sind sie, wenn es ihnen dann besser, respektive wieder gut geht. Es gäbe noch viele Motto’s wie: «man muss säen, wenn man ernten möchte» oder eben: «von nichts kommt nichts».
Wenn du auf deine bisherigen Berufsjahre zurückblickst: Gibt es ein Erlebnis oder einen Erfolg, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Puh, da gäbe es sicher viele, aber jede Verbesserung oder Erfolg, den die Patienten:innen machen oder haben, ist für mich ein schönes, positives Erlebnis, welches in Erinnerung bleibt.
Und jetzt ein Blick hinter die Kulissen – wer ist Katja privat? Wie verbringst du deine freie Zeit, und was hilft dir, selbst in Balance zu bleiben?
Ich bin gerne aktiv, ob drinnen oder draussen; vor allem beim Tanzen kann ich meine Batterien aufladen. Um meine Gedanken zu sortieren, gehe ich Joggen, Spazieren oder Schwimmen.
Zum Abschluss eine persönliche Frage: Gibt es ein Ritual oder einen Moment am Tag, der für dich unverzichtbar ist – vielleicht etwas, das dich zentriert oder Energie gibt?
Ich habe am Morgen gerne etwas Zeit für mich – so ganz nach dem Motto: die Ruhe vor dem Sturm. Ich lese morgens die Zeitung, um «up-to-date» zu sein oder mache meine Qi-Gong-Übungen – so kann ich mich zentrieren, fokussieren und mental auf den Tag vorbereiten.
Danke für das Gespräch und einen guten Start bei uns!
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