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Ihr Kinderlein kochet…!

Ihr Kinderlein kochet…!

 

Kinder werden immer dicker
In der Schweiz sind bereits 21.4% aller Kinder übergewichtig, in Deutschland 28.7% und in der USA 43%. 1975 wurden weltweit etwa elf Millionen fünf- bis 19-Jährige als adipös (d.h. BMI > 30) erfasst, 2016 waren es schon 124 Millionen; 213 weitere Millionen sind immerhin noch übergewichtig.

Diese Zahlen und die Richtung, in welcher sie sich entwickeln sind erschreckend. Insbesondere auch, wenn man davon ausgeht, dass übergewichtige Kinder mit grosser Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter einen (lebenslangen) Kampf gegen die Waage führen und ein viel grösseres Risiko für Diabetes, Herz-/Kreislauferkrankungen, etc. zeigen. Was das für unser Gesundheitssystem und damit für unsere Gesellschaft heisst, kann man sich selbst ausmalen. Ich meine man darf, ohne zu übertreiben von einer globalen «Zeitbombe» sprechen.

Japan als löbliche Ausnahme
Doch gibt es auch positives zu diesem Thema zu vermelden?

Ja, denn in allen Statistiken fällt ein Industrieland immer wieder besonders auf: Japan. Nirgendwo auf der Welt haben Kinder eine so hohe Lebenserwartung wie in Japan. Laut einer Studie des Uno-Kinderhilfswerks Unicef sind nur 14 Prozent der 5- bis 19-jährigen Japaner zu dick. Dies ist mit Abstand der beste Wert aller wohlgenährten Industrienationen und was genauso interessant ist: Der Wert ist stabil bis tendenziell abnehmend.

Die Frage lautet nun, was denn die Japaner anders machen, denn Chips, Fertigmenüs, Zucker und Cola wären auch im Land der aufgehenden Sonne erhältlich?

Zum einen essen die Kinder in Japans Schulen gemeinsam zu Mittag und zum andern wird viel Wert auf eine begleitende Ernährungslehre gelegt. Letztere umfasst nicht nur Wissenswertes zu jeder servierten Mahlzeit, sondern auch weiterführende Lektionen zu Lebensmitteln, ihrer Herkunft, ihrer Zusammensetzung und der Anbau von Lebensmittel an der Schule.

Selbst kochen entwickelt Ernährungsbewusstsein spielerisch
Da dieses Thema in den Schweizer Schulen eher «zurückhaltend» behandelt wird, müssen andere Lösungsansätze gefunden werden. Wir plädieren an dieser Stelle dafür mit Kindern zu kochen. Ganz nach dem Motto «keine zu klein, eine Köchin zu sein». Durch das Kochen, im besten Fall ergänzt durch den vorangehenden Einkauf, setzen sich Kinder spielerisch mit Lebensmitteln auseinander. Selbst Gekochtes schmeckt ausserdem tendenziell besser, was auch dazu führt, dass vielleicht mal ein Gemüse probiert wird, welches bis dato tabu war. Fakt ist: Kinder, welche selbst den Kochlöffel schwingen, essen gesünder und sind weniger übergewichtig als die andern.

Kocht mit den Kindern!
Also schnappen Sie sich die Kids ein- bis zweimal die Woche (das geht übrigens auch mit Enkelkindern, Patenkindern, Nichten/Neffen, Nachbarskindern) und beginnen Sie mit der Menuplanung. Eine gute Gelegenheit auch über saisonal aktuelle Lebensmittel zu sprechen (es ist erschreckend, wie wenig viele Kinder darüber wissen!) und über die Zusammensetzung einer Mahlzeit (Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Eiweisse). Dann wäre es schön, wenn Sie auch gemeinsam einkaufen könnten.

Sinnlich und kreativ – so macht es Spass!
Zum Schluss kommt das Kochen: Das sollte «sinnlich» sein und Spass machen. Geben Sie so viel Hilfe wie es braucht, damit das Resultat schmeckt, lassen Sie aber auch genügend Spielraum für die eigene Kreativität. Die Kids sollen lernen – aber Spass dabei haben. Damit die Motivation noch einen Extraschub erhält, lädt man zu diesen Anlässen vielleicht mal eine Schulfreundin, den Grossvater oder eine Nachbarin ein. Deren Lob gibt Selbstvertrauen und hält die Sache in Schwung.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass wir uns selbst auch wieder bewusster mit dem Thema «Essen» auseinandersetzen. Das kann nicht schaden, denn meist sind es die Erziehungsberechtigten, welche für die eingangs erwähnten Zahlen die Verantwortung tragen. Sollten Sie zwar die Idee gut finden, doch sich etwas hilflos fühlen, bieten sich unzählige wunderbare Kochbücher und Websites zu Thema «Kochen mit Kindern» an.

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Eine Ode an den Apfel

Eine Ode an den Apfel

Der Apfel in Zeiten des «globalisierten Superfoods»
Ich geb’s zu, der Apfel hat es schon mit seinem Namen schwierig: Das schwere «A» und dann noch das wenig elegante «pf» sind eine akustische Hypothek. Da haben es andere Früchte ungleich leichter. So zum Beispiel die Avocado. Liest man ihren Namen laut, wähnt man sich bereits mitten in einem Sommerhit von Loco Escrito.

An apple a day…
Und dennoch heisst es «an apple (und nicht «an avocado»…) a day keeps the doctor away», was frei übersetzt in etwa heisst, dass wenn man jeden Tag einen Apfel isst, man keinen Arzt benötigt. Zum ersten Mal tauchte dieses Sprichwort 1866 in einer walisischen Zeitschrift auf, damals hiess es noch: “Eat an apple on going to bed, and you’ll keep the doctor from earning his bread” (deutsch etwa „Iss einen Apfel vorm Zubettgehen und dein Arzt kann sich seine Brötchen nicht mehr verdienen“).

Dass da etwas dran sein muss, zeigt die Tatsache, dass der Spruch fast weltweit in zumindest ähnlicher Form existiert. So zum Beispiel “una mela al giorno toglie il medico di torno” (Italien) oder ”ett äpple om dagen håller doktorn borta” (Schweden).

Handlich, praktisch, gut und gesund!
Und wie sieht das Ganze nun aus, wenn wir eine etwas wissenschaftlichere Brille aufsetzen? Ein Apfel besteht zu rund 85% aus Wasser, und ist mit 50-70 Kcal pro Stück ideal als kalorienarme Zwischenmahlzeit. Äpfel liefern viele Vitamine und Mineralstoffe, allen voran B, C und E, Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium, Folsäure, Eisen sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Die meisten Bestandteile stecken dabei in der Schale und in den Kernen. Am besten ist es also, den gewaschenen Apfel wirklich komplett zu essen. Der hohe Anteil an Ballaststoffen, enthalten in Form von Pektin und Zellulose, sorgt für eine gute Sättigung, fördert die Verdauung und wirkt vorbeugend gegen Verstopfung.

Superkräfte inklusive
Neben der verdauungsfördernden Wirkung haben Äpfel aber noch mehr Superkräfte im Körper: das weisse Fruchtfleisch schützt zum Beispiel vor Schlaganfällen. In Studien konnten bereits 25 Gramm Äpfel pro Tag das Risiko eines Schlaganfalls um 9 Prozent senken. Ausserdem verbessern sie die Cholesterinwerte und die Gedächtnisleistung, und können Alzheimer vorbeugen.

Der schon angesprochene Ballaststoff Pektin hält den Blutzuckerspiegel konstant, sodass man länger satt bleibt. (Isst man noch dazu fettreiche Nüsse zu einem Apfel, kann man diese Wirkung noch verstärken!) Darüber hinaus wirkt Pektin entgiftend und hilft mit, Toxine schneller auszuscheiden.

Ausserdem enthalten Äpfel Oligosaccharide, die die Darmgesundheit fördern und die Darmflora füttern. Weiters wirken diese Stoffe auch gegen Krebszellen, was in mehreren Studien bestätigt wurde.

Am besten frisch aus der Nähe und biologisch angebaut
Aber Achtung: all diese Wirkungen erhält man nur, wenn man einen frischen Apfel isst! In (pasteurisiertem) Apfelsaft befinden sich in der Regel weder Pektin noch aktive Enzyme oder sekundäre Pflanzenstoffe. Grundsätzlich empfehlen wir auch vermehrt wieder einmal «ältere», robustere Apfelsorten, möglichst ungespritzt, zu essen. Sie enthalten aufgrund ihrer natürlichen Widerstandsfähigkeit mehr der für uns so wertvollen Schutzstoffe.

Also – tun Sie sich und Ihrer Familie etwas Gutes, indem Sie täglich 1-2 Äpfel Essen. Kaufen Sie einheimische Äpfel (…ein Import aus Neuseeland macht nun wirklich keinen Sinn) und kaufen Sie, wenn möglich Sorten, die sich für den Bio-Anbau eignen. Diese sind widerstandsfähiger und deutlich reicher an sekundären Pflanzenstoffen.

En Guete! 

Gelebte Solidarität in Covid-Zeiten

Gelebte Solidarität in Covid-Zeiten

 

Der Soziologe Alfred Vierkandt hat 1928 den Begriff «Solidarität» wie folgt beschrieben: «Solidarität ist die Gesinnung einer Gemeinschaft mit starker innerer Verbundenheit». Und: «Solidarität ist das Zusammengehörigkeitsgefühl, das praktisch werden kann und soll». Implizit heisst das also, dass die Solidarität ein Prinzip der Mitmenschlichkeit ist und sich freiwillig konstituiert.

Warum aber schreibe ich heute über Solidarität? Weil wir in der Aktiv Physio gerade eine grosse Portion davon erleben durften und weil Solidarität ein wichtiges Element zur Überwindung der Covid-Krise ist. Doch erst mal der Reihe nach.

Am 18. April durften die Fitnesscenter nach 117 Tagen Lockdown wieder öffnen. Eine grosse Sache für unser eigenes Gym in Hinwil und auch für unseren Partner, das Top Fit in Pfäffikon. Unmittelbar nach Bekanntgabe des bundesrätlichen Entscheides haben wir unsere Kundinnen und Kunden angeschrieben und darin auch das Thema der Vergütung dieser «Lockdown-Tage» auf unseren Fitness-Abos angesprochen. Da der Lockdown ein Fall «höherer Gewalt» darstellt und weder wir noch unsere Kunden «schuld» daran waren, haben wir den Entscheid darüber, wie viele der 117 «Lockdown-Tage» den Abos gutgeschrieben werden sollen unseren Kunden überlassen.

Vom Ergebnis waren wir schlichtweg überwältigt: 83% unserer Kunden verzichteten auf eine vollständige Kompensation; 52% wünschten gar keine Zeitgutschrift. Damit hätten wir nun nicht im Entferntesten gerechnet, denn unsere Kunden haben die Abos bezahlt und konnten ja nichts dafür, dass sie nicht trainieren konnten. Dazu kommt, dass wohl viele unserer Kunden finanziell eine schwere und unsichere Zeit durchmachen. Darüber hinaus haben wir viele tolle Rückmeldungen in mündlicher und schriftlicher Form erhalten – alle waren sie froh darüber, endlich wieder trainieren zu dürfen.

Dieser Akt der Solidarität, den wir erfahren durften ist ein starkes Zeichen und gibt viel Hoffnung. Hoffnung für viele von der Pandemie Betroffene aber auch schlicht Hoffnung, dass wir diese «Geissel» als Gemeinschaft meistern werden.

Nachdem die Medien sich seit längerer Zeit auf die Konflikte zwischen (selbsternannten) Experten, zwischen verschiedenen Interessengruppen und den staatlichen Autoritäten, zwischen Verschwörungstheoretikern, politisch radikalisierten Gruppen und Politikern konzentriert haben und diese Konflikte immer heftiger ausgetragen werden, lässt dieser Akt der Solidarität optimistisch stimmen. Er zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Bevölkerung – quer durch alle Altersklassen und sozioökonomische Gruppen – mit der Pandemie sehr besonnen umgeht und im Grundsatz optimistisch in die Zukunft schaut. Das will nicht heissen, dass man automatisch mit allem einverstanden ist oder dass man keine eigene Meinung hat. Es heisst viel mehr, dass eine Mehrheit der Menschen die Pandemie mit Besonnenheit, Respekt vor demokratischen Spielregeln und eben – Mitgefühl und Empathie meistert.

Das stimmt mich auch optimistisch, wenn ich an die am härtesten getroffenen Branchen denke: die Gastronomie und die Veranstalter. Ich hoffe, dass auch sie in Bälde wieder in Richtung «Normalität» marschieren dürfen und bin zuversichtlich, dass auch sie von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung eine grosse Solidarität erfahren werden. Ich bin überzeugt, dass die Menschen entsprechend ihren finanziellen Möglichkeiten gerne und öfters auswärts essen werden und auch mal ein hübsches Trinkgeld liegen lassen, dass sie wieder Tickets für Veranstaltungen aus Kultur und Sport kaufen werden. Sicherlich – für manchen Betriebe wird die Öffnung zu spät kommen – sie werden den Lockdown wohl nicht überleben. Es wird aber auch Neues entstehen und eben – die Pandemie ist, neben all ihren wirklich schlimmen Auswirkungen meiner Meinung nach, zumindest auch etwas Dünger für den Baum der Solidarität.

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Kostenloser Superfood – Bewegung inklusive

Kostenloser Superfood – Bewegung inklusive

Die richtige Zeit
Auch wenn Frau Holle sich in jüngster Zeit noch ein paar Mal kräftig dagegen gewehrt hat – der Frühling ist da! Mit dem Frühling erwacht die Natur; an allen Ecken und Enden beginnt es zartgrün zu spriessen. Da und dort «explodieren» die Böden richtiggehend. Das heisst, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um Wildkräuter zu sammeln!

Superfood-Boom
In den letzten Jahren hat sich ein regelrechter Hype um sogenannte «Superfoods» entwickelt. Sie haben geheimnisvoll-exotische Namen, wie Açai, Chia, Goji, Maca oder Moringa, kommen meist aus sehr fernen Ländern und legen tausende Kilometer zurück, bis sie in unsere Verkaufsregale zu liegen kommen.

Diese exotischen Früchte und Samen werden Superfood genannt, weil sie meist grosse Mengen an gesundheitsförderlichen Inhaltsstoffen wie Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Sekundäre Pflanzenstoffe enthalten. Die Nahrungsmittelindustrie hat das Business mit dem Superfoods längst erkannt und die Märkte mit entsprechenden Marketingmassnahmen erschlossen.

Die schlechte und die gute Nachricht
Die schlechte Nachricht ist nun, dass diese exotischen Produkte erstens viel zu teuer sind und zweitens aufgrund der Transportwege und teilweise auch wegen des nicht nachhaltigen Anbaus bisweilen eine «unterirdische» Ökobilanz aufweisen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Direkt vor unserer Haustüre (oder zumindest doch in Gehdistanz) wachsen heimische Superfoods, die eine genauso grosse Nährstoffdichte aufweisen wie die exotischen Kollegen! Es handelt sich dabei um unsere essbaren Wildkräuter, die in zahlreich und in grosser Vielfalt unsere Wiesen, Felder und Wälder besiedeln.

Viel höhere Dichte an gesunden Inhaltsstoffen
Worin unterscheiden sich unsere Wildpflanzen von den über Jahrtausenden kultivierten Getreide-, Gemüse-, und Obstarten, die sich in der Regel auf unserem Teller befinden?  Sie weisen eine viel höhere Dichte an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen auf. Im Schnitt enthalten sie etwa dreimal so viel Proteine, Vitamine, Mineralien und Spurenelemente wie ihre «gezähmten» Verwandten.

In manchen Fällen sind die Unterschiede sogar noch grösser: So enthält die Hagebutte der Hundsrose 25-mal (!) mehr Vitamin C als die Zitrone, der Löwenzahn 7-mal so viel Pro-Vitamine wie die Endivie und das Gartenunkraut Vogelmiere 17-mal mehr Eisen als Rotkohl! Auch die für die Gesundheit so wertvollen Sekundären Pflanzeninhaltsstoffe (wie Phenolsäuren, Flavonoide) sind in Wildpflanzen in signifikant grösseren Mengen vorhanden.

Die Inhaltsstoffe bleiben auf der Strecke
Vor etwa 10’000 Jahren begann der Mensch systematisch Nahrungspflanzen aus Wildpflanzen zu züchten. Das geschah durch gezielte, immerwährende Selektion und Kreuzung von Pflanzen, welche grösser und ertragreicher waren als ihre Vorgänger. Dabei sind leider, vor allem auch in jüngerer Zeit, viele wertvolle Inhaltsstoffe auf der Strecke geblieben. 

Unsere Vorfahren haben sich über Jahrtausende von Wildpflanzen und Wildtieren ernährt. Erst im letzten Prozent der Menschheitsgeschichte haben wir angefangen, Pflanzen und Tiere durch Züchtung zu verändern. Deshalb ist die wilde Nahrung unserem Organismus evolutionär bestens angepasst und in der Regel gut verträglich!

Sekundäre Pflanzenstoffe – die Apotheke der Natur
Nebst den bereits erwähnten Inhaltsstoffen sollten wir den sogenannten «sekundären Pflanzenstoffen» unsere besondere Aufmerksamkeit schenken. Es handelt sich um komplexe chemische Verbindungen, von denen jede Wildpflanze mehrere Hundert, bis mehrere Tausend enthalten kann. Viele dieser Stoffe kennen wir noch gar nicht. Sekundäre Pflanzenstoffe heissen so, weil sie die Pflanze nicht für ihren primären Stoffwechsel, sondern zum Schutz gegen Schädlinge, Krankheiten, Mikroorganismen, das aggressive UV-Licht und vieles mehr brauchen. Man geht heute davon aus, dass die sekundären Pflanzenstoffe auch in unserem Organismus wirksam sind. Da unser Immunsystem dem der Pflanzen überraschend ähnlich ist, schützen diese Stoffe auch uns: Sie können antioxidativ, antimikrobiell, antikarzinogen und entzündungshemmend wirken. Ein weitere Grund, warum wir Wildpflanzen regelmässig in unseren Speiseplan aufnehmen sollten!

Und Bewegung gibt’s auch umsonst obendrauf!
Nicht nur, dass Wildkräuter gesund und umsonst sind, nein auch ihre Beschaffung hat es in sich: Man begibt sich an die frische Luft, nimmt die Natur viel detaillierter wahr, sieht und erlebt ihre Veränderungen und hat am Schluss nicht nur einen gefüllten Korb, sondern auch etwas für die Psyche und den Kreislauf gemacht.

Wie lege ich los?
Schliessen Sie sich zu Beginn einer erfahrenen Sammlerin an oder besuchen sie einer der zahlreichen Kurse, die es hier in der Umgebung gibt. Wir können diejenigen von Ursula Flammer aus Wald ZH (ursula.flammer@gmx.ch) empfehlen.  

Zur Vertiefung, und als Begleiter für die ersten selbständigen Kräuterspaziergänge, schlagen wir das Buch «Essbare Wildpflanzen einfach bestimmen» und/oder die sehr gute App «Flora Incognita» vor. Auf «Kostbarenatur.net» findet man ausserdem einen ausführlichen Kräuterkalender für jeden Monat . Rezepte finden sich in Büchern und den endlosen Weiten des Web ebenfalls unzählige, vom Smoothie und Knäckebrot über Kräuter-Frischkäse, Suppen und Salate.

Wir wünschen viel Freude und «en Guete»!

Bewegung gegen den Lockdown-Koller!

Bewegung gegen den Lockdown-Koller!

 

Der zweite, vom Bundesrat verordnete (partielle) Lockdown dauert nun fast zwei Monate. Allerdings ist einiges anders als beim ersten Lockdown im vergangenen Frühling: Der Lockdown begrub auch die Feiertage und fällt diesmal in die kalte und eher dunkle Jahreszeit. Die Konsequenz daraus: Immer mehr Menschen quer durch alle Altersklassen haben mit psychischen Problemen zu kämpfen. Sie sind einsam, verunsichert und es fehlen Perspektiven. Das soziale Netzwerk funktioniert nicht mehr.

Es besteht die Gefahr, dass man in eine Abwärtsspirale gerät und aufgrund der gedrückten Stimmung noch weniger unternimmt, sich noch weniger bewegt und nicht mehr an die frische Luft geht. Zu diesem Thema hat Natina Schregenberger (Sportärztin in der Stadt Zürich und Mutter zweier Töchter) in der NZZ am Sonntag vom 24. Januar 2021 einen Artikel mit dem Titel «Stimmung aufhellen mit täglicher Bewegung» geschrieben, den wir Ihnen nicht vorenthalten möchten:

«Die Momentane Situation fordert uns alle in vielschichtiger Weise. Nebst mentaler Belastung sind sportliche Aktivitäten erschwert bis verunmöglicht – und dies auf unbestimmte Zeit. Diese Aktivitäten sind für viele Menschen im Alltag bewusst oder unbewusst Stimmungsaufheller, Ausgleich zum Arbeitsalltag oder funktionieren als zentraler Ort des sozialen Austausches. Teils realisiert man dies erst dann, wenn es nicht mehr möglich ist. In meiner Praxistätigkeit sehe ich zurzeit viele normalerweise sportlich aktive Frauen und Männer mit Motivationsschwierigkeiten bis hin zu gedämpfter Gemütslage, Tendenz steigend. Oft getrauen sie sich kaum, dies anzusprechen, weil sie finden, Sporttreiben sei momentan gesellschaftlich gesehen kein vordergründiges Problem.

Auch draussen kann man sich sportlich bewegen, das stimmt. Durch das winterliche Wetter und die saisonal bedingte Dunkelheit wird aber oft der innere Antrieb zusätzlich gebremst. Man muss aufpassen, nicht in eine Negativspirale zu geraten mit schleichender Dekonditionierung und Unzufriedenheit.

Vielleicht müssen wir Sport momentan neu definieren. Regelmässige Bewegung jeglicher Art ist erwiesenermassen stimmungsaufhellend und längerfristig gut für das psychische Befinden. Rappeln Sie sich also auf, und stellen Sie einen täglichen Bewegungsplan für sich zusammen. Tägliches zügiges Spazieren oder je nach Lust auch Joggen bei Tageslicht an der frischen Luft, egal bei welchem Wetter, wäre ein Anfang. Springseilen, Tanzen zu Musik, Dehnen, Yoga, Pilates, Körpereigengewichtsübungen und vieles mehr – all dies lässt sich prima zu Hause machen. Wer es gern technischer mag: Das Internet ist voll mit qualitativ ansprechenden Anleitungen, und es gibt interaktive Apps für Indoor Sport daheim. Wem Wettkampf und Vergleich fehlen: Virtuelle Wettkämpfe und Herausforderungen in interaktiven Gruppen können ein bisschen kompetitives Gefühl aufkommen lassen.

Auf jeden Fall sollten zurzeit die Regelmässigkeit und auch Experimentierfreudigkeit mit neuen Bewegungsformen und Trainingsinhalten das Ziel sein, ganz egal auf welchem Level. Sich täglich zur Bewegung aufraffen, auch einmal etwas Neues ausprobieren und einfach dranbleiben bringt positive Körperstimmung und hilft gegen die Negativspirale.»

Also liebe Blog-Leserinnen und Blog-Leser halten Sie durch. Wir werden lernen, mit Covid zu leben! Bis dahin bewegen Sie sich genug, treiben Sie Sport, gehen Sie bei jedem Wetter nach draussen. Sie brauchen sich dafür nicht unbedingt einen Hund zu kaufen – die Nachbarn geben Ihnen den Ihren sicherlich mal mit auf den Weg. Und sollten sie jemanden kennen, von dem Sie wissen, dass diese Person allein ist, geben Sie sich einen Ruck und laden Sie diese Person auf einen Spaziergang ein!

Vom Preis und vom Wert von Lebensmitteln

Vom Preis und vom Wert von Lebensmitteln

 

Grad letzte Woche habe ich wieder ein Inserat gesehen, welches das Kilo Pangasiusfilet (notabene aus Vietnam hierher transportiert) für unter 6 Franken das Kilo anpreist. Regelmässig sehe ich auch in der Werbung einer Discounter-Kette in der Schweiz Schweinefleisch für deutlich unter 10 Franken pro Kilo.

Wenn man nun etwas weiter darüber nachdenkt, diese Verbraucherpreise runterrechnet zum Einkaufspreis für den Detailhändler, den Grosshändler, den Importeur…. die Kosten für Transport, Verpackung und weitere Logistikleistungen subtrahiert, dann kann man nur noch «en Guete» wünschen! Welches Futter kann der Bauer denn den Schweinen für diesen Preis noch auftischen? Unter welchen Bedingungen muss das Schwein in Rekordzeit schlachtreif werden? Wie werden wohl die Pangasiusfische zu solchen Preisen hochgemästet? Wie viele illegale, in Europe auf der Reserveliste stehende Antibiotika werden in die viel zu dicht bestückten Zuchttümpel geworfen, damit die Fische den ganzen Stress überleben?

Was der Mensch heute für einen «guten Preis» zu essen bereit ist, ist manchmal hart an der Grenze zwischen mutig, fahrlässig und töricht. Da darf man sich nicht mehr wundern, wenn man mit einer Lungenentzündung im Spital liegt und der Priester bestellt wird, weil kein verfügbares Antibiotikum mehr Wirkung zeigt.

Kritisiert man den Kauf solcher Lebensmittel, wird häufig angeführt, dass Alternativen zu teuer sind.

Tauchen wir in die Tiefen der Statistik ab, sehen wir, dass vor hundert Jahren ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt etwa 50% des Einkommens für Lebensmittel ausgab. Heute sind es noch deren 8.7% (wohlverstanden inklusive kostspielige Genussmittel, wie Alkohol und Tabak). Sieht man, wieviel dagegen für Freizeit, Unterhaltungselektronik, Handys, Autos, ausgegeben wird, scheint das Argument sich wohl in der meisten Fällen etwas zu relativieren.

Ich meine, dass zu viele Menschen den Lebensmitteln nicht mehr genug «Wert» zusprechen. Essen soll oder darf deshalb auch nichts mehr kosten. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Hat es damit zu tun, dass wir immer weiter von der Produktion der Lebensmittel entfernt sind? Dass satt werden für uns heute so selbstverständlich geworden ist? Dass wir nicht mehr genug «geniessen», nicht mehr Kochen, die Freude am Essen verloren und damit auch zunehmend verlernt haben, qualitativ gute von qualitativ schlechten Lebensmitteln zu unterscheiden? Ich weiss es nicht – vielleicht ist es ein wenig von allem.

Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass das Lebensmittelbudget nicht die erste Wahl sein sollte, wenn’s darum geht, Geld zu sparen. Zu wichtig sollte Ihnen Ihre Gesundheit sein! Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass wir hier, speziell im Zürcher Oberland, durchaus Möglichkeiten haben, gute und gleichzeitig preiswerte Lebensmittel einzukaufen. Eine Möglichkeit ist, sich vermehrt beim Produzenten einzudecken. Hier finden sich bei uns gute und innovative Angebote, welche die Landwirte der Region verzehrfertig anbieten. Dass man so saisonal und regional einkauft, dankt auch die Umwelt.

Ich bon zudem überzeugt, dass unsere Stoffwechsel sich über die Jahr-hunderttausende so entwickelt haben, dass sie jeweils genau mit dem am besten funktionieren, was die Natur der Jahreszeit entsprechend hergibt (inklusive der lagerbaren oder natürlich konservierbaren Früchte und Gemüse). Unser Körper braucht im Normalfall nichts, was um den halben Planeten eingeflogen werden muss.

Als leidenschaftlicher Koch (und ebensolcher Esser) gebe ich Ihnen ausserdem den Rat, es auch einmal mit einem günstigen Stück Fleisch zu versuchen. – ganz nach dem Motto «Nose-to-Tail». Die richtige Zubereitung vorausgesetzt, lässt sich aus einem Stück, welches normalerweise als Siedfleisch angeboten wird, aus einem Ochsenschwanz oder einer Rinderhaxe eine superzarte, Geschmacksbombe auf den Tisch zaubern, die Ihr Budget schont und es durchaus mit einem Filet aufnehmen können. Der Dorfmetzger hilft sicher gerne weiter.

Ich wünsche mir, dass wir uns wieder vermehrt zum Wert von Lebensmitteln Gedanken machen und nicht nur zum Preis, dass wir beim Einkauf und beim Kochen kreativ sind und den Mut haben, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Nicht nur die Umwelt, sondern vor allem auch Ihr körperliches (und seelisches) Wohlbefinden werden es Ihnen danken.

Ihr Markus Angst